Sekundäre Traumatisierung, Etienne Döhler

Sekundäre Traumatisierung bei Einsatzkräften – wenn die Belastung Spuren hinterlässt.

Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und andere Einsatzkräfte erleben immer wieder Situationen, die körperlich und psychisch herausfordernd sind. Schwerverletzte Menschen, Todesfälle, belastende Schicksale oder Einsätze mit Kindern können Spuren hinterlassen. Nicht immer entsteht eine Traumatisierung durch ein selbst erlebtes Ereignis. Auch die wiederholte Konfrontation mit Leid und Ausnahmesituationen kann zu einer sogenannten sekundären Traumatisierung führen.

Was bedeutet sekundäre Traumatisierung?
Von einer sekundären Traumatisierung spricht man, wenn Menschen durch die intensive Auseinandersetzung mit belastenden Erlebnissen anderer psychische Belastungssymptome entwickeln. Dies betrifft insbesondere Berufsgruppen, die regelmäßig mit Not, Leid und menschlichen Krisen konfrontiert sind.

Sekundäre Traumatisierung ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine mögliche Folge andauernder emotionaler Belastung.

Typische Anzeichen
Die Symptome können sich schleichend entwickeln und werden häufig zunächst nicht als Belastungsreaktion erkannt. Mögliche Hinweise sind:

  • wiederkehrende Gedanken an belastende Einsätze
  • Schlafstörungen oder Albträume
  • innere Unruhe und Anspannung
  • Reizbarkeit und erhöhte Gereiztheit
  • emotionale Erschöpfung
  • Rückzug von Familie oder Freunden
  • Konzentrationsprobleme
  • Verlust von Freude und Motivation
  • zunehmender Alkohol- oder Medikamentenkonsum

Nicht jede Belastungsreaktion ist krankhaft. Sie zeigt vielmehr, dass der Mensch auf außergewöhnliche Situationen reagiert.

Besonders gefährdet sind Einsatzkräfte
Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei, Leitstellenpersonal sowie Mitarbeitende in Kliniken oder sozialen Einrichtungen sind oft über Jahre hinweg belastenden Situationen ausgesetzt. Dabei sind es nicht immer die spektakulären Einsätze, die belasten. Häufig führen viele kleinere belastende Ereignisse über einen längeren Zeitraum zu einer zunehmenden Erschöpfung.

Schutzfaktoren stärken
Ein wichtiger Bestandteil der Prävention ist die Förderung von Resilienz und Selbstfürsorge. 

Dazu gehören:

  • regelmäßige Erholungsphasen
  • Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen
  • professionelle Nachbesprechungen
  • ein stabiles soziales Umfeld
  • Bewegung und körperlicher Ausgleich
  • Achtsamkeit für eigene Grenzen
  • frühzeitige Unterstützung bei anhaltenden Belastungen

Gerade Führungskräfte haben eine wichtige Aufgabe, eine offene Gesprächskultur zu fördern und psychische Belastungen nicht zu tabuisieren.

Hilfe anzunehmen ist ein Zeichen von Verantwortung!
Niemand muss belastende Erfahrungen allein bewältigen. Frühzeitige Unterstützung kann dazu beitragen, langfristige Folgen zu verhindern und die eigene Handlungsfähigkeit zu erhalten. Traumasensible Beratung und Begleitung bieten einen geschützten Rahmen, um Belastungen einzuordnen und individuelle Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

Fazit

Sekundäre Traumatisierung kann jede Einsatzkraft treffen. Sie ist Ausdruck einer menschlichen Reaktion auf außergewöhnliche Belastungen. Ein bewusster Umgang mit Stress, eine gute Teamkultur und die Bereitschaft, Unterstützung anzunehmen, tragen wesentlich dazu bei, psychisch gesund und handlungsfähig zu bleiben.

Autor:
Etienne Döhler
Traumapädagoge (DeGPT) und Traumazentrierter Fachberater (DeGPT)
25 Jahre Berufsfeuerwehr · Notfallsanitäter · PSU-Assistent NRW
 

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